Offenstallwissen

Offenstallwissen

Kombination mit anderen Weidetieren

Veterinäramt Hannover fördert Offenstallhaltung

Veröffentlicht am 26.3.2018

Bei den Recherchen für mein neues Buch (Permakultur und Pferdehaltung - neue Ansätze für eine ökologische Offenstallhaltung und eine bessere Wirtschaftlichkeit, wird wahrscheinlich Ende Juni veröffentlicht) hat mich besonders das Kapitel über die Kombination mit anderen Weidetieren fasziniert. Eigentlich sollte es nur ein kleines Unterkapitel werden, letztlich sind es jetzt über 50 Seiten geworden :-). In möchte in diesem Artikel schon mal einen kleinen Ausblick geben.

Foto: Andrea Starke-Nölke

Der Nutzen einer gemeinsamen Haltung

Wenn man andere Tierarten zusammen mit Pferden hält, so bringt es in jedem Fall Abwechslung in den Offenstall. Die Pferde lernen eine andere Tierart kennen, erweitern somit ihren Erfahrungshorizont und sind dann auch bei Ausritten, zumindest bei Begegnungen mit Vertretern dieser Tierart, gelassener. Darüber hinaus gibt es jedoch noch weitere Vorteile.


Bessere Weidepflege: Vor allem die Kombination mit Rindern ist für die Weiden ein großer Gewinn. Sie weiden das Grünland viel gleichmäßiger ab und fressen auch Pflanzen, die von den Pferden stehen gelassen werden, vor allem auch die Geilstellen der Pferde. Da sie das Gras mit der Zunge quasi abrupfen, werden die Gräser nicht so kurz abgefressen. Auch Schafe und Ziegen können wervolle Beiträge leisten, da auch ihr Nahrungsspektrum etwas anders ist, und viele (nicht alle :-) auch Unkräuter, wie zum Beispiel Ampfer, fressen.


Verringerung der Parasitenbelastung: Parasiten werden oftmals als Grund genannt, warum man Pferde nicht mit anderen Tierarten zusammen halten sollte. Es verhält sich jedoch eher anders herum. Fast alle Parasiten sind artspezifisch, das bedeutet, dass zum Beispiel die Parasiten der Rinder nicht in Pferden überleben und umgekehrt. Trotzdem werden die Eier der "falschen" Parasiten mit aufgenommen und dadurch quasi unschädlich gemacht. Hühner und Enten suchen die verschiedenen Larven sogar gezielt als Nahrung. 


Herdenschutz: Pferde sind reine Fluchttiere und versuchen daher bei Gefahr abzuhauen. Esel, Alpakas und Lamas leben dagegen in der Natur vor allem auf felsigem Gelände und können sich eine kopflose Flucht nicht leisten. Bei Gefahr, wie zum Beispiel durch einen Wolf, bleiben sie eher stehen, schreien und wehren sich auch mit Bissen oder Tritten. Diese Tierarten werden daher auch gezielt als Herdenschutztiere eingesetzt.


Schutz der anderen Tierart: Hühner und Enten sind beliebte Beutetiere für Greifvögel, Fuchs und Marder. Viele Tierhalter berichten, dass die Federtiere bei Gefahr die Pferde als Schutz nutzen und sich quasi unter sie flüchten. Auch viele Schafe und Ziegen suchen bei gefährlichen Situationen die Nähe der Pferde und haben Vorteile durch ihre größere und dominantere Ausstrahlung.


Foto: Sabine Deske

Gefahren der gemeinsamen Haltung

Es gibt auch Aspekte, die man im Auge behalten sollte, damit es beiden Tierarten gut geht.


Gefahr für die Pferde? Pferde sind allen angesprochenen Tierarten übergeordnet. Bei einer gemeinsamen Haltung übernehmen sie eigentlich immer die Chef-Rolle und dominieren die Gemeinschaft. Eine Verletzungsgefahr für Pferde besteht daher eigentlich nur bei der gemeinsamen Haltung mit Rindern mit Hörnern. Hier ist es von besonders großer Bedeutung, dass die Platzverhältnisse ausreichend großzügig sind und es auch bei Wasser- und Futterstellen keine Engpässe gibt.


Gefahr für die andere Tierart? Diese ist auf jeden Fall gegeben. Pferde können durch Schlagen und Beißen reichlich Schaden anrichten. Man sollte daher genau beobachten, ob es in der Pferdeherde einen Vertreter gibt, der zu viel Freude am Jagen hat. Die kleineren Tiere sollten möglichst einen Bereich haben, in den sie sich in Sicherheit bringen können. Zudem muss man auch darauf achten, dass die anderen Tierarten zum Teil ein anderes Ruhebedürfnis haben, wie zum Beispiel die Zeit zum Wiederkäuen. Hierbei sollten sie nicht ständig von den Pferden gestört werden.


Geld- und Zeitaufwand? Wenn man eine andere Tierart hält, dann sollte man sich darauf einstellen, dass deren Haltung zusätzliches Geld, zusätzliche Zeit und zusätzliches Wissen benötigt. Man kann nicht die anderen Tiere einfach dazustellen. Man sollte auch deren Bedürfnisse kennen und sie bestmöglichst erfüllen. An dieser Stelle werden (aus Unwissenheit) leider viele Fehler gemacht. Esel sind zwar auch Equiden, haben jedoch eine ganz andere Kommunikation untereinander als Pferde und auch andere Haltungs- und Fütterungsansprüche (trockenere Haltung, kargeres Futter). Schafe fühlen sich nur in größeren Herden sicher, die Haltung von nur zwei Schafen ist nicht wirklich artgerecht. Und Laufenten bewegen sich zwar gerne und viel an Land. Es sind trotzdem Enten, die für ein glückliches Leben einen kleinen Teich benötigen.

Foto: Anja Leuning (glückliche Laufenten, die auch einen Teich haben, außerhalb des Fotos :-)

Auswahl der richtigen Tierart

Wenn man andere Tiere zusammen mit den Pferden halten möchte, dann sollte man sich genau überlegen, wo der Nutzen und die Vorteile liegen und wie hoch auf der anderen Seite der zeitliche und der finanzielle Aufwand sind. Man übernimmt die Verantwortung für weitere Tiere und zwar meist über viele Jahre. Das sollte einem bewusst sein und man sollte daran Spaß haben (oder es lieber sein lassen).

Neben dem eigenen Spaß und dem Nutzen für die Pferde darf es natürlich noch weitere Vorteile geben, wie zum Beispiel die eigene Versorgung mit Eiern oder auch eine wirtschaftliche Nutzung über den Verkauf von gezüchtetem Nachwuchs, Wolle, Eier, Milch oder Fleisch.

Man sollte auch bei der Auswahl der jeweiligen Rasse etwas genauer hinsehen und möglichst eine finden, die zu den eigenen Bedürfnissen passt. Bei Ziegen werden zum Beispiel häufig Zwergziegen gewählt, weil sie klein sind und daher vermeindlich leichter in der Haltung. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Zwergziegen werden in ihrem Heimatland auch Baumziegen genannt und sind besonders gute Kletterkünstler. Es sind die größten Kobolde unter den Ziegen, wogegen es auch andere Ziegenrassen gibt, die ruhiger und weniger ausbruchsfreudig sind.

Offenstallhaltung Pferde Alpaka Esel

Foto: Katharina Perutzki

Fazit

Die gemeinsame Haltung von Pferden und anderen Weidetieren ist ein spannendes Thema. Man benötigt für die Pferdehaltung große Flächen und diese können relativ problemlos von anderen Tierarten mitgenutzt und damit auch wirtschaftlicher genutzt werden. Ich bedanke mich an dieser Stelle für die viele Zuschriften und Fotos, die ich nach einem Aufruf bei Facebook bekommen habe. Es ist klasse, mit wieviel Engagement viele Tierhalter nicht nur ihren Pferden sondern auch vielen anderen Tieren ein schönes Zuhause schaffen.

Kombination mit anderen Weidetieren

Veterinäramt Hannover fördert Offenstallhaltung

Veröffentlicht am 26.3.2018

Bei den Recherchen für mein neues Buch (Permakultur und Pferdehaltung - neue Ansätze für eine ökologische Offenstallhaltung und eine bessere Wirtschaftlichkeit, wird wahrscheinlich Ende Juni veröffentlicht) hat mich besonders das Kapitel über die Kombination mit anderen Weidetieren fasziniert. Eigentlich sollte es nur ein kleines Unterkapitel werden, letztlich sind es jetzt über 50 Seiten geworden :-). In möchte in diesem Artikel schon mal einen kleinen Ausblick geben.

Foto: Andrea Starke-Nölke

Der Nutzen einer gemeinsamen Haltung

Wenn man andere Tierarten zusammen mit Pferden hält, so bringt es in jedem Fall Abwechslung in den Offenstall. Die Pferde lernen eine andere Tierart kennen, erweitern somit ihren Erfahrungshorizont und sind dann auch bei Ausritten, zumindest bei Begegnungen mit Vertretern dieser Tierart, gelassener. Darüber hinaus gibt es jedoch noch weitere Vorteile.


Bessere Weidepflege: Vor allem die Kombination mit Rindern ist für die Weiden ein großer Gewinn. Sie weiden das Grünland viel gleichmäßiger ab und fressen auch Pflanzen, die von den Pferden stehen gelassen werden, vor allem auch die Geilstellen der Pferde. Da sie das Gras mit der Zunge quasi abrupfen, werden die Gräser nicht so kurz abgefressen. Auch Schafe und Ziegen können wervolle Beiträge leisten, da auch ihr Nahrungsspektrum etwas anders ist, und viele (nicht alle :-) auch Unkräuter, wie zum Beispiel Ampfer, fressen.


Verringerung der Parasitenbelastung: Parasiten werden oftmals als Grund genannt, warum man Pferde nicht mit anderen Tierarten zusammen halten sollte. Es verhält sich jedoch eher anders herum. Fast alle Parasiten sind artspezifisch, das bedeutet, dass zum Beispiel die Parasiten der Rinder nicht in Pferden überleben und umgekehrt. Trotzdem werden die Eier der "falschen" Parasiten mit aufgenommen und dadurch quasi unschädlich gemacht. Hühner und Enten suchen die verschiedenen Larven sogar gezielt als Nahrung. 


Herdenschutz: Pferde sind reine Fluchttiere und versuchen daher bei Gefahr abzuhauen. Esel, Alpakas und Lamas leben dagegen in der Natur vor allem auf felsigem Gelände und können sich eine kopflose Flucht nicht leisten. Bei Gefahr, wie zum Beispiel durch einen Wolf, bleiben sie eher stehen, schreien und wehren sich auch mit Bissen oder Tritten. Diese Tierarten werden daher auch gezielt als Herdenschutztiere eingesetzt.


Schutz der anderen Tierart: Hühner und Enten sind beliebte Beutetiere für Greifvögel, Fuchs und Marder. Viele Tierhalter berichten, dass die Federtiere bei Gefahr die Pferde als Schutz nutzen und sich quasi unter sie flüchten. Auch viele Schafe und Ziegen suchen bei gefährlichen Situationen die Nähe der Pferde und haben Vorteile durch ihre größere und dominantere Ausstrahlung.


Foto: Sabine Deske

Gefahren der gemeinsamen Haltung

Es gibt auch Aspekte, die man im Auge behalten sollte, damit es beiden Tierarten gut geht.


Gefahr für die Pferde? Pferde sind allen angesprochenen Tierarten übergeordnet. Bei einer gemeinsamen Haltung übernehmen sie eigentlich immer die Chef-Rolle und dominieren die Gemeinschaft. Eine Verletzungsgefahr für Pferde besteht daher eigentlich nur bei der gemeinsamen Haltung mit Rindern mit Hörnern. Hier ist es von besonders großer Bedeutung, dass die Platzverhältnisse ausreichend großzügig sind und es auch bei Wasser- und Futterstellen keine Engpässe gibt.


Gefahr für die andere Tierart? Diese ist auf jeden Fall gegeben. Pferde können durch Schlagen und Beißen reichlich Schaden anrichten. Man sollte daher genau beobachten, ob es in der Pferdeherde einen Vertreter gibt, der zu viel Freude am Jagen hat. Die kleineren Tiere sollten möglichst einen Bereich haben, in den sie sich in Sicherheit bringen können. Zudem muss man auch darauf achten, dass die anderen Tierarten zum Teil ein anderes Ruhebedürfnis haben, wie zum Beispiel die Zeit zum Wiederkäuen. Hierbei sollten sie nicht ständig von den Pferden gestört werden.


Geld- und Zeitaufwand? Wenn man eine andere Tierart hält, dann sollte man sich darauf einstellen, dass deren Haltung zusätzliches Geld, zusätzliche Zeit und zusätzliches Wissen benötigt. Man kann nicht die anderen Tiere einfach dazustellen. Man sollte auch deren Bedürfnisse kennen und sie bestmöglichst erfüllen. An dieser Stelle werden (aus Unwissenheit) leider viele Fehler gemacht. Esel sind zwar auch Equiden, haben jedoch eine ganz andere Kommunikation untereinander als Pferde und auch andere Haltungs- und Fütterungsansprüche (trockenere Haltung, kargeres Futter). Schafe fühlen sich nur in größeren Herden sicher, die Haltung von nur zwei Schafen ist nicht wirklich artgerecht. Und Laufenten bewegen sich zwar gerne und viel an Land. Es sind trotzdem Enten, die für ein glückliches Leben einen kleinen Teich benötigen.

Foto: Anja Leuning (glückliche Laufenten, die auch einen Teich haben, außerhalb des Fotos :-)

Auswahl der richtigen Tierart

Wenn man andere Tiere zusammen mit den Pferden halten möchte, dann sollte man sich genau überlegen, wo der Nutzen und die Vorteile liegen und wie hoch auf der anderen Seite der zeitliche und der finanzielle Aufwand sind. Man übernimmt die Verantwortung für weitere Tiere und zwar meist über viele Jahre. Das sollte einem bewusst sein und man sollte daran Spaß haben (oder es lieber sein lassen).

Neben dem eigenen Spaß und dem Nutzen für die Pferde darf es natürlich noch weitere Vorteile geben, wie zum Beispiel die eigene Versorgung mit Eiern oder auch eine wirtschaftliche Nutzung über den Verkauf von gezüchtetem Nachwuchs, Wolle, Eier, Milch oder Fleisch.

Man sollte auch bei der Auswahl der jeweiligen Rasse etwas genauer hinsehen und möglichst eine finden, die zu den eigenen Bedürfnissen passt. Bei Ziegen werden zum Beispiel häufig Zwergziegen gewählt, weil sie klein sind und daher vermeindlich leichter in der Haltung. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Zwergziegen werden in ihrem Heimatland auch Baumziegen genannt und sind besonders gute Kletterkünstler. Es sind die größten Kobolde unter den Ziegen, wogegen es auch andere Ziegenrassen gibt, die ruhiger und weniger ausbruchsfreudig sind.

Offenstallhaltung Pferde Alpaka Esel

Foto: Katharina Perutzki

Fazit

Die gemeinsame Haltung von Pferden und anderen Weidetieren ist ein spannendes Thema. Man benötigt für die Pferdehaltung große Flächen und diese können relativ problemlos von anderen Tierarten mitgenutzt und damit auch wirtschaftlicher genutzt werden. Ich bedanke mich an dieser Stelle für die viele Zuschriften und Fotos, die ich nach einem Aufruf bei Facebook bekommen habe. Es ist klasse, mit wieviel Engagement viele Tierhalter nicht nur ihren Pferden sondern auch vielen anderen Tieren ein schönes Zuhause schaffen.